Hier findet ihr die Siegertexte des Schreibwettbewerbes 2019 zum Thema "Planet Zukunft"

Planet Zukunft

Ich gehe mit leisen Schritten die Treppe hinauf. Ich traue mich nicht zu
atmen, auch wenn ich seit neun Tagen weder einen Knall noch irgendetwas
Zerschellendes gehört habe. Mich packt eine erdrückende Angst. Noch
zwei Stufen. Es beginnen die Zweifel. Sollte ich den gleichen Fehler,
wie Mutter, drei Tage zuvor, begehen? Sie starb, nur weil sie hoffte,
dass diese schreckliche Zeit endlich vorbei ist. Nun bin ich alleine.
Maria haben Mutter und ich ja nicht einmal mit in den Bunker bringen
können. Es war jener Tag, an den Mama morgens weinend am Kühlschrank
saß, weil Maria nicht mehr da war. Und das war der erste Tag.
Ich atme noch einmal tief durch, um dann die Tür etwas anzuheben und
durch einen kleinen Schlitz die wirkliche Welt zu sehen. Mich erreicht
jedoch nur ein blendender Sonnenstrahl. Ein weiterer Atemzug und ich
öffne die Tür um noch ein Stück. Noch immer kein Ton. Ich trete also
hinaus und bin mir nicht ganz im Klaren darüber, wie meine Gefühle zu
dem stehen, was ich gerade sehe. Ich wage es, mich mit langsamen
Schritten fortzubewegen. Ich sehe nichts. Nichts von dem, was ich
erwartet habe. Die Luft wirkt unrein und der Boden ist bedeckt mit
aufgewirbeltem Sand. Ich ziehe die Luft ein und kneife meine Augen zu.
Auf dem Boden, etwas entfernt von mir, liegt ein Mann in Uniform-leblos.
741 Tage und endlich Stille. Beinahe zu still. Ich gehe in mein altes
Haus. Ich habe nicht einmal mehr die Sorge, dass darin Gefahr lauert,
denn was soll ich auf einer Welt ohne Mutter? Eine Welt ohne Leben, ohne
Liebe. Seit 741 Tagen nur Hass. Und jetzt? Stille. Ich laufe über einen
Haufen von Scherben, doch meine Schuhe schützen meine Füße wie der
Panzer die Soldaten und wie der Bunker mich. 741 Tage lang.

 

Text von Laura Zinke

 

 

NEUN TRÄNEN

 Ich hatte mich ja freiwillig für diesen Versuch gemeldet. Als
Versuchskaninchen. Es sollte eine Zeitreise in die Zukunft werden. Nur
wusste ich nicht, dass es solche Ausmaße annehmen würde.
 Das Experiment begann. Ich lag auf einer Liege und schaute in ein
blendend weißes Licht. Es begann, sich zu drehen und Farbfunken zu
versprühen. Alles drehte sich. Mir wurde schwindelig. Ich verlor die
Kontrolle über mein Bewusstsein. Stille. Plötzlich habe ich ein Bild
vor Augen. Ich wache auf. Das Experiment ist fehlgeschlagen. Ich aber
habe einen Einblick in die Zukunft gewonnen.

 Mir flossen neun Tränen aus
 Bedauern und Trauer
 das Gesicht entlang.

 Nummer eins für die Pflanzen, die in unserer Zukunft nicht gedeihen
konnten. Die das Licht nicht erblicken konnten.
 Nummer zwei für die Gewässer, die nicht friedlich an Landschaften
vorbeifließen konnten.
 Nummer drei für die Berge, die in sich zusammenfielen und ihre Pracht
nicht präsentieren konnten.
 Nummer vier für die Tiere, die nicht wertgeschätzt wurden. Die wie
Gegenstände behandelt wurden und denen kein Wille zugesprochen wurde.
 Nummer fünf für die Freundschaften, die brachen und die nicht
geschlossen werden konnten.
 Nummer sechs für die Liebe, die verschwendet und beschmutzt wurde.
 Nummer sieben für den Hass, der verbreitet wurde und verletzte.
 Nummer acht für die Menschheit, die zu dumm war, zu stur und zu faul.
 Und Nummer neun für den Planeten, den es in Zukunft nicht mehr geben
wird.

 

Text von Tansila Osmaeva

 

FUTURE

 Ein Zischen und dann ein Licht
 was plötzlich durch die Zeiten bricht.
 Zwei Jungen. In die Zukunft weit.
 Einer jung, nicht bereit.

 Egal, ob heute, gestern oder nie;
 von der Zukunft sprachen sie
 verändert durch besondere Leute,
 geleitet durch das neue Heute.
 Besonders für die Augen, was jeden hält;
 Der Zeitsprung in die neue Welt!

 "Mark wo sind wir? Welche Zeit?"
 "Zukunft Johannes, wir sind sehr weit."
 "Mark da vorn, ich komm nicht aus dem Staunen!"
 "Ja, Johannes, kann es selbst nicht glauben."

 "Mark ganz oben - Autos die fliegen!"
 "Ja, Johannes, so was kannst du nicht immer zu Blick kriegen."
 "Mark und siehst du nicht die runden Gebäude?"
 "Ja, Johannes, gebaut wurden sie von schlauen Leuten."

 "Mark, hörest du nicht diesen Klang?"
 "Ja, Johannes, ein von Maschinen entwickelter Gesang."
 "Aber Mark, wo sind denn all die vielen Bäume?"
 "Tja, Johannes, gerodet wurden sie für Menschheitsträume."

 "Aber Mark, die Tiere, wo sind denn die?"
 "Tja, Johannes, die Welt braucht kein Vieh."
 "Aber Mark, wo bleibt denn die Natur?"
 "Tja, Johannes, weg, die Menschen war'n zu stur."

 "Und Mark, kannst du mir sagen, wo wir sind?"
 "Ja, Johannes, Zukunft, die Menschen sind zu blind."
 " - WAS IST DAS? - meine letzte Frage."
 " >> PLANET ZUKUNFT << würd' ich sagen."

 

Text von Sumai Osmaeva